Der rote Koffer


Eagles Of Death Metal @ Dachstock, Bern. 19.06.2009
Juni 22, 2009, 7:30
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Jesse ‘The Devil’ Hughes und Josh ‘Baby Duck’ Homme

Jesse ‘The Devil’ ‘Boots Electric’ [...] Hughes und seine Truppe in Bern. In meiner Stadt. Auch wenn ich sie schon im März in Zürich gesehen habe, musste ich natürlich dabei sein. Jesse ist Rock ‘n’ Roll. Auf der Bühne bewegt sich niemand wie er, er trägt die engsten Jeans und hat den grössten, ha, Schnauz. Er ist der einzige Mann der es wagt sich mit einem Oberlippenbart (auch: Moustache, Pornobalken, Rotzbremse) in der Öffentlichkeit zu zeigen und dabei so verdammt gut aussieht.

Wir waren fast die Ersten und kaum hatten wir den Dachstock betreten, sahen wir ihn auch schon. Jesse, the devil’s favourite son. Etwas verstört gingen wir erst einmal zur Garderobe und auch wenn der Raum noch halb leer war, machten wir es uns vor der Bühne bequem. Der Dachstock ist wirklich der ideale Ort für so ein Konzert, etwas heruntergekommen und trotzdem sehr gemütlich. So wie Dachböden nun einmal sind. Es dauerte nicht lange und wir bemerkten, dass Jesse mittlerweile seelenruhig in der einen Ecke hinter dem DJ-Pult stand. Die Zigarette lässig im Mundwinkel hängend sorgte er für die passende Musik im Raum und tänzelte dabei gut gelaunt herum. Wir Drei hatten jetzt leider nur ein Problem: Keine Kamera. Die Kamera von K. hatte pünktlich vor dem grössten Moment in ihrem Kameraleben, nämlich Jesse Hughes vor der Linse zu haben, den Geist aufgegeben. Nach langem Hin und Her fragten wir zwei junge Frauen, ob wir ihre Kamera ausleihen dürften. Ohne zu Zögern ging ich dann zu Jesse, denn hätte ich auch nur eine weitere Sekunde darüber nachgedacht, hätte ich gekniffen. Ich ging also hin, hoffte nicht in letzter Minute mein ganzes Sprachvermögen zu verlieren und tatsächlich: Ich kriegte den Mund auf und Englisch konnte ich auch noch. Ich hatte kaum zu Ende gesprochen, da legte er auch schon den Arm um mich. Mein Geisteszustand in diesem Moment lässt sich mit einer Wüste, über die der Wind trockenes Gestrüpp weht, vergleichen. Wir machten dann alle Drei ein Foto mit ihm und erstaunlicherweise sieht man mir auf dem Bild nichts von der Einöde in meinem Kopf an.

Bleibt nun zu hoffen, dass mir das Foto bald geschickt wird. Bis jetzt habe ich nämlich noch keine E-mail gekriegt…

Kurz nach Zehn trat dann endlich die Vorband, Come ‘n’ Go, auf. Die waren zu Beginn gar nicht mal schlecht, aber nach einer Weile hörten sich alle Lieder gleich an. Das eigentliche Problem waren aber ein paar Damen hinter uns. Anscheinend schienen sie die Vorband zu kennen, wollten deswegen unbedingt nach vorne und dazu war ihnen jedes Mittel recht. Da es keine Absperrung hatte, konnte man das Geschubse auch nicht ignorieren, sofern man nicht alle drei Sekunden die Bühnenkante küssen wollte. Wir gingen dann nach hinten, was wir auch später hätten tun müssen, da wir keine Lust hatten im Mosh Pit zu landen. Aber ich hasse solche Leute, vor allem wenn das Ganze dann auch noch in einen Zickenkrieg ausartet. Gewalt ist sicherlich keine Lösung, aber in solchen Momenten wäre sie vielleicht ein gutes Argument. Ich würde jemanden nur verprügeln, wenn mich diese Person ernsthaft bedroht. Ich muss aber zugeben, dass wenn mir jemand wie gestern absichtlich Bier über die Kleider schüttet, ich dann schon das Bedürfnis verspüre, dieser Person ganz sanft die Nase zu brechen. Aber da ich schliesslich keinen an der Klatsche habe, kann ich mich beherrschen und schreibe stattdessen bösartige Blogeinträge.

Gegen Mitternacht war es dann endlich soweit. Eagles Of Death Metal, yeah. Es ging los mit ‘I Only Want You’ und das ganze Konzert war einfach grossartig. Die Akustik war viel besser als in Zürich, die Atmosphäre… alles. Jesse hampelte in gewohnter Manier herum, liess einige fiese Seitenhiebe auf Axel Rose fallen und ignorierte freundlich ‘Yes we can!’-Rufe aus dem Publikum. Da war nämlich so ein Typ im Publikum, der nichts besseres zu tun hatte als ‘Yes we can!’ und ‘Fuck you!’ nach vorne zu brüllen, denn Jesse Hughes ist bekanntlich Republikaner. Auch so etwas das ich nie verstehen werde… Ich würde nie an ein Konzert, nur um dann die Band zu beschimpfen?!

Unter anderem wurden diese Lieder gespielt, aber an die Reihenfolge kann ich mich nicht wirklich erinnern.

I Only Want You

Don’t Speak (I Came To Make A Bang)

Bad Dream Mama

So Easy

I Want You So Hard (Boy’s Bad News)

Just Nineteen

Stuck In The Middle With You

Speaking In Tongues

Midnight Creeper

Already Died

Anything Cept’ The Truth

Secret Plans

Heart On

Now I’m A Fool

Brown Sugar (Cover)

Cherry Cola

Wannabe In L.A.

Morgens um Zwei verabschiedeten sie sich, Jesse warf sein Shirt in die Menge und weg war er. Der Mann mit dem Schnauz und diesem eigentümlichen Charme, dem so ziemlich jeder erliegt.



Warum ich Fisherman’s Friend Bonbons mag
Juni 17, 2009, 11:09
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Frauen seien wie Fernbedienungen mit ganz vielen Knöpfen, manche vergleichen uns gar mit Akkordeons. Männer seien da anders, behaupten viele, die meinen der Mann sei ein einfach gestricktes Wesen. Ich nehme an, die Fernbedienung für den Mann hat wirklich nur einen Knopf. Dieser Knopf vereint in sich aber alle gängigen Funktionen. Die zugrundeliegende Funktion wird beim Drücken mittels eines Algorithmus ausgewählt, der die intellektuellen Fähigkeiten jedes Mitmenschen übersteigt. Ahnungslos drückst du den Knopf und das was dann geschieht erscheint auch bei näherer Betrachtung oft nicht logisch, löst Kopfschütteln oder wüstes Fluchen aus. Zumindest manche meiner Männer sind so. Man lernt sich kennen, man redet, er ist interessiert, man will sich wieder treffen. Doch dann drückt man wieder auf den Knopf, erwischt leider die Funktion „Kalte Füsse“ und er versetzt einem und meldet sich nicht mehr.

Wenn er sich wieder meldet, mir erklärt er hätte eben in Nordkorea das Atomprogramm sabotieren und nebenher auf die höchst aggressive Katze seiner Nachbarin aufpassen müssen, dann werde ich mich gnädig zeigen. Ohne einen wirkliche Entschuldigung wird er den (hoffentlich) viel zu teuren Kaffee bezahlen während ich ihn ansehe und denke: Bin ich zu stark, bist du zu schwach.